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Wie Mobilfunkbetreiber zu Banken werden (Teil 2/2)

Von derAlekx | 10.Mai 2009

Nachdem ich gestern im ersten Teil allgemein über die heutigen Möglichkeiten des Bezahlens via Handy geschrieben habe, wird im heutigen zweiten Teil der Blick ein wenig weiter nach vorn gerichtet.

Wie nun kann die Zukunft aussehen? In Österreich haben sich die führenden Mobilfunkanbieter zu einem Netzwerk zusammengeschlosen. Ziel ist das leichte Bezahlen von Rechnungen mittels Handy – respektive via Handyabrechnung.

Wenn ich aber viele Sachen nur mehr mit dem Handy abrechne, dann wird mein Mobilfunkanbieter zwangsläufig zu mehr als nur einem Gesprächsvermittler. Er ist für alle meine mobilen Bankgeschäfte zuständig. Er wird damit aber auch mit Unsicherheiten zu kämpfen haben. Denn geht es nicht mehr nur um eine monatliche Handy-Rechnung von zehn bis 100 Euro pro Person, sondern um Ausgaben der privaten Lebensführung von 200, 300 oder vielleicht sogar 600 Euro jeden verdammten Monat, dann ist aus dem einstigen Kommunikationsverkäufer ein robuster Finanzdienstleister geworden. Diese aufkommenden Unsicherheiten muss er aber ausgleichen. Entweder er lagert sie aus, übergibt also dieses Geschäft an andere Anbieter (VISA, EuroCard oder eben Systemen wie paybox) oder aber das Mobilfunkunternehmen wird sich irgendwann durchringen und Synergieeffekte zwischen sich und einer ganz normalen Bank erblicken.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Im Rahmen der internen Kostenstruktur sind SMS, MMS und Anrufe kaum der Rede wert (wie auch bei der Preisschlacht am österreichischen Mobilfunkmarkt zu beobachten ist). Wenn Mobilfunk und Banking aus einer Hand kommen, ist das ein erheblicher Unterschied und gutes Faustpfand. Auch gibt es ein geringeres Ausfallrisiko von Handyrechnungen und dies gleich im doppelten Sinne: Wenn ein Mobilfunker zugleich das Bankkonto betreut, dann kann er Begrenzungen von Gesprächsminuten oder Datenvolumen direkt an die momentane Bonität des Kunden anpassen. Und wenn doch einmal nicht gezahlt werden kann? Sobald wieder Geld reinkommt: Die Bank bedient sich immer zuerst – wie man weiß.

Da durch das Mobilfunkgerät ein direkter Zugriff aufs Bankkonto möglich ist, wird eine Transaktion auch nur dann ausgeführt, wenn genug Mittel vorhanden sind. Im Gegensatz zur Kreditkarte muss man aber wohl keiner Angst haben, dass das Handy zerschnitten wird. Aber es bleibt die Sicherheit, dass der Kunde auch bezahlen kann, was er so alles konsumiert. Im Gegensatz zu Lastschriftverfahren ist eine direkte Bestätigung der Überweisung möglich – ein Vorteil für Verkäufer.

Und warum sollten die Banken da mitspielen? Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass irgendjemand mit denen reden will. Die werden ganz simpel übernommen. Die Deutsche Bank hat es vorgemacht: M-Payment kostet Geld und bringt nichts. Es ist wohl kein Wunder, dass das Ende der DB/paybox-Liaison in den Schaffenszeitraum von Josef Ackermann fällt. Jährliche Renditeziele von 25% und mehr sind in einem aufkommenden Markt nur schwer möglich. Dafür braucht man einen langen Atem – wie jeder Venture Capitalist leidvoll zu berichten weiß. Im Normalfall wäre dies auch die Möglichkeit für Banken: Ausruhen und warten und später den Sieger des Verdrängungswettbewerbs vom VC übernehmen. Nur in diesem mobilen Spiel sind nicht nur die Konkurrenten der eigenen Zunft mit dabei, sondern eben auch die Mobilfunkanbieter. Diese haben qua Verkaufsprodukt eine höhere Affinität zu Innovationen und sind gewohnt lange Durststrecken in Kauf zu nehmen (Beispiel: UMTS). Daher werden diese früher zuschlagen (siehe paybox-Österreich) und ihren Kunden den Service bieten, den die Banken großteils verschlafen.

Am Ende – und ich denke das erste Schicksal sehen wir bedingt durch die Bankenkrise spätestens 2015 – werden die Mobilfunkanbieter die halbmaroden Bankhäuser übernehmen, mitsamt der Kreditstruktur und den Kunden und so zu Mobilfunkbanken oder Netzbanken aufsteigen.

Daher wird bald aus der Dredner Bank die T-Bank und E-Plus und Commerzbank fusionieren zur E-Commerz.

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Topics: Medienkultur, mobile Kultur |

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