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Die Remediation und GoogleTrends im Fernsehen

Von derAlekx | 19.Mai 2009

Heute Abend (Di., 19.05.09) gegen 19.30h wird Jay David Bolter in den heiligen Hallen der kaiserlich-königlichen Hofburg zu Wien über Facebook, YouTube und die digitale Avantgarde reden (weite Infos gibt es im Blog der Organisatorin Jana Herwig aka Digiom, einen Internet Live-Stream anscheinend hier). Ein schöner Stilmix. Digitale Zukunft & absolutistische Gemäuer.

Stilmix ist das Stichwort. In seinem Buch Remediation: Understanding New Media (gemeinsam mit Richard Grusin) spricht er über die von den Autoren so benannte Remediation. Simplifiziert ausgedrückt handelt es sich dabei um den Umstand, dass neue Medien sich die Techniken der Darstellung und die ästhetischen Aspekte alte Medien aneignen und mit neuen Möglichkeiten mixen. Der Klassiker um diesen Umstand begreiflich zu machen ist das Beispiel vom Computer-’Desktop’, der mit seinem Papierkorb oder auch der Schere zum Herausschneiden von Text den Büroschreibtisch immitiert. So werden stilistische Techniken mit neuartiger Technik zusammengebracht. Meist wird in diesem Zusammenhängen das Augenmerk auf das Fortschreiten der Technikspirale gesetzt. Aber Remediation muss nicht zwingend nur in eine Richtung verlaufen. Dieser Umstand wird von Bolter/Grusin explizit hervorgehoben, meinem Geschmack nach aber nur selten angewendet. Ein Beispiel für einen solchen Rückgriff stellt das Fernsehen dar - genauer ein spezielles Format, welches es so in Europa nur einmal gibt (man möge mich korrigieren falls ich falsch liege…): Puls4 GoogleTrends. Die Suchmaschine hat im österreichischen Privatfernsehsender Puls4 ein eigenes News-Format bekommen. Dabei werden die täglichen Top10-Aufsteiger-Abfragen der Österreicherinnen und Österreicher noch einmal genauer beleuchtet und redaktionell aufbereitet - (mehr oder minder) Experten inklusive.

Was an sich schon bemerkenswert ist, wird auch unter dem Gesichtspunkt der Remediation nicht unspannender. Denn hier klaut das gute alte Fernsehen quasi vom Internet. Ohne Internet könnte es diese Sendung (qua Eigen-Definition des Inhalts) nicht geben. Visuell ist es an die farbliche Google-Pallete angepasst. Auch vom Präsentationsstil kommt es schneller daher. Hier eignet sich also das Medium “Fernsehen” bestimmte Techniken des Mediums “Internet” (von mir aus auch “worldwideweb”) an.

Neben all diesen eher ästhetischen Aspekten ist daran noch ein weiterer Punkt interessant: Die mediale Agenda wird in diesem Fall nicht mehr von den Gatekeepern (Journalisten), Politikern oder PR-Leuten, sondern von der Masse an Menschen, welche im Internet Suchanfragen abgeben, bestimmt. Dies ist ein klarer Bruch mit der Tradition des Journalismus (und damit ein ebensolcher im Rahmen des Fernsehens).

Und genau solche Fälle, wo sich Medien gegenseitig beeinflussen, untersucht Bolter in seinem Buch Remediation: Understanding New Media. Und genau auf diese Reise nimmt er uns heute hoffentlich mit, wenn es um Facebook und die digitale Avantgarde geht.

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Topics: Dramaturgie digitaler Medien |

2 Kommentare to “Die Remediation und GoogleTrends im Fernsehen”

  1. digiom (Jana Herwig) meint:
    19.Mai 2009 at 13:14

    Danke sehr für das Post! Sehr schön geschrieben - darf ich das vielleicht gleich als Einleitung verwenden? Dann wird der Stilmix noch schöner:)

    Hier ist übrigens die Stream-URL

    http://www.ustream.tv/channel/tfmvienna

  2. derAlekx meint:
    20.Mai 2009 at 10:05

    Aber natürlich! Ich habe zu danken, war sehr spannend! Danke für dieses Fest schonmal, werd aber wahrscheinlich eh nochaml drüber schreiben…

Kommentare